Im Porno spritzt es meterweit, im echten Leben fragen sich viele Frauen heimlich, ob mit ihnen etwas nicht stimmt, weil bei ihnen nichts dergleichen passiert. Oder umgekehrt, weil plötzlich das Laken nass ist und sie keine Ahnung haben, warum. Squirting ist eines dieser Themen, über die viel geredet und wenig gewusst wird. Kann man Squirten lernen? Ist das nicht einfach Pipi? Und wieso klappt es bei der einen sofort und bei der anderen nie?
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was dahintersteckt. Es geht um G-Punkt und Skene-Drüsen, um die Frage, woraus die Flüssigkeit besteht, um ein paar zähe Irrtümer und um die Techniken, mit denen es klappen kann. Und natürlich um die typischen Stolpersteine, an denen viele Versuche hängen bleiben.
Squirting kurz erklärt
Kurz erklärt meint Squirting, dass bei starker Erregung oder beim Höhepunkt Flüssigkeit stoßweise aus der Harnröhre einer Frau austritt. Im Alltag sagt man dazu oft auch weibliche Ejakulation, und meistens werden beide Wörter für dasselbe benutzt.
Manche Fachleute ziehen allerdings eine feine Grenze. Squirting steht bei ihnen für eine größere Menge klarer Flüssigkeit, die weibliche Ejakulation dagegen für ein paar Tropfen eines milchigen Sekrets aus den Skene-Drüsen. Im Bett spielt diese Unterscheidung kaum eine Rolle. Beides gehört ganz natürlich zur weiblichen Sexualität.
Die Flüssigkeit ist übrigens nicht dasselbe wie das, was Du morgens auf der Toilette loswirst. Sie ist meist klar, riecht kaum und kommt in viel größerer Menge als die gewöhnliche Feuchtigkeit der Scheide. Frauen, die squirten, sprechen oft von einer Welle, auf Englisch auch „Gushing“. Das kann sich unglaublich lustvoll anfühlen, ist aber nicht automatisch ein Orgasmus.
Die Rolle der Skene-Drüsen
Die Hauptrolle in dieser Geschichte spielen die Skene-Drüsen. Man nennt sie auch Paraurethraldrüsen oder weibliche Prostata. Sie sitzen rund um die Harnröhre, und einige ihrer Ausgänge münden direkt in sie hinein. Wird eine Frau erregt, können sich diese Drüsen füllen und wieder leeren. Besonders gut gelingt das, wenn die vordere Wand der Vagina stimuliert wird, also der Bereich, den man G-Punkt oder G-Zone nennt. Laut Fachleuten unterscheidet sich das Sekret deutlich vom normalen Scheidensekret und stammt eben aus diesen Drüsen nahe der Harnröhre. Ihre Aufgabe ähnelt der Prostata beim Mann, und sie bilden ein eigenes Sekret, in dem sich Enzyme wie PSA, das prostataspezifische Antigen, finden.
Woraus die Flüssigkeit besteht
Lange wurde heftig gestritten, woraus die Flüssigkeit besteht. Inzwischen ist man sich ziemlich einig, dass es eine Mischung ist. Ein Teil kommt aus der Blase und ist stark verdünnter Urin. Gleichzeitig enthält sie Enzyme wie PSA, die nur aus den Skene-Drüsen stammen können. Versuche haben gezeigt, dass die Flüssigkeit tatsächlich die Blase verlässt, ihr aber Sekret aus den Drüsen beigemischt ist.
Ganz nüchtern betrachtet besteht sie also hauptsächlich aus Wasser, dazu kommen Stoffe wie Harnstoff und Kreatinin, allerdings in sehr geringer Konzentration, plus die Anteile aus den Skene-Drüsen. Mit gewöhnlichem Urin ist sie deshalb nicht gleichzusetzen. Die meisten Frauen erleben sie als klar, fast ohne Geruch und ganz anders als den Gang zur Toilette.
Tropfen oder Fontäne?
Ein paar Tropfen oder eine Fontäne, das ist bei jeder Frau anders. Die Menge reicht von kaum spürbar bis zu mehreren Dutzend Millilitern. Bei manchen ist es nur ein kleiner feuchter Fleck, andere erzählen von echten Fontänen. Alles davon ist normal.
Und der Orgasmus? Oft hängen die beiden zusammen, zwingend ist das aber nicht. Manche Frauen squirten, ohne gleichzeitig zu kommen. Andere haben gewaltige Orgasmen, bei denen kein einziger Tropfen fließt. Das eine ist so in Ordnung wie das andere, und beides kann sich wunderbar anfühlen.
Vier Irrtümer, die sich hartnäckig halten
Kaum ein Thema ist so von Halbwissen umgeben. Vier Irrtümer halten sich besonders hartnäckig, und die schauen wir uns jetzt genauer an.
„Das ist doch einfach Urin.“
Stimmt so nicht. Ein Teil kommt zwar aus der Blase, ist aber stark verdünnt und mit Sekret aus den Skene-Drüsen vermischt. Die Flüssigkeit ist meist klar oder leicht milchig und riecht kaum, also ganz anders als normaler Urin. Außerdem tritt sie als Reflex bei Erregung aus und nicht, weil Du bewusst Wasser lässt. Ein Missgeschick ist das nicht, sondern ein ganz natürlicher Teil der Sexualität.
„Wer squirtet, kommt auch.“
Nicht zwangsläufig. Squirting und Orgasmus können zusammen auftreten, sie können aber genauso gut getrennt voneinander passieren. Es sind zwei verschiedene Reaktionen des Körpers. Ein Höhepunkt ist deshalb nicht besser oder echter, nur weil dabei etwas spritzt.
„Jede Frau schafft es, wenn sie es nur will.“
Ganz so einfach ist es leider nicht. Viele Frauen können es lernen, aber die Körper sind verschieden gebaut. Die Skene-Drüsen sind nicht bei allen gleich stark ausgeprägt, bei manchen fehlen sie teilweise oder komplett. Studien schätzen, dass bisher nur ein Teil der Frauen gesquirtet hat, wobei die Zahl stark davon abhängt, wie man Squirting definiert. Bei manchen klappt es trotz Übung nie, und das ist völlig okay. Niemand muss sich deswegen schlecht fühlen.
„Das ist unnatürlich und eklig.“
Im Gegenteil. Squirting ist eine normale Reaktion des Körpers, und schon vor Jahrhunderten wurde darüber geschrieben, damals meist unter dem Namen weibliche Ejakulation. Weil das Thema lange totgeschwiegen wurde, wussten viele Frauen schlicht nichts davon. Pornos zeigen es oft übertrieben oder gestellt, was falsche Bilder in die Köpfe setzt. In Wirklichkeit erleben viele Frauen echtes Squirting, und etliche genießen es sehr. Schmutzig oder peinlich ist daran gar nichts. Am Ende zählt nur, dass sich beide wohlfühlen, mit oder ohne nasses Laken.

So kannst Du es ausprobieren
Du bist neugierig geworden und möchtest wissen, ob Squirting auch bei Dir funktioniert? Dann kannst Du es ausprobieren, und zwar ganz ohne Stress. Mit etwas Geduld und den passenden Techniken gelingt es vielen Frauen, das Squirten bewusst herbeizuführen oder ihm zumindest auf die Sprünge zu helfen. Einige Sexualcoaches glauben sogar, dass es grundsätzlich jede Frau lernen kann, wenn sie die richtige Technik findet und die Sorge vor dem Gefühl, gleich pinkeln zu müssen, ablegt.
Betrachte das Ganze als Spiel und nicht als Prüfung. Ob es funktioniert, sagt nichts darüber aus, wie gut Dein Sex ist. Die folgenden Tipps helfen Dir aber, entspannter heranzugehen und herauszufinden, was bei Dir wirkt.
Gute Bedingungen schaffen
Du brauchst Zeit, Ruhe und eine Umgebung, in der Du Dich richtig wohlfühlst, ob allein oder mit Partner. Die Sorge, das Bett zu ruinieren, bremst viele aus. Leg also ein großes Handtuch unter oder probier es gleich in der Dusche oder Wanne. Vorher noch einmal die Blase zu leeren, gibt vielen zusätzliche Sicherheit. Mach es Dir gemütlich, mit gedimmtem Licht und einem warmen Raum, und verabschiede Dich vom Gedanken an Perfektion. Heute geht es um Genuss und um sonst nichts.
Lust steigern, Spannung lösen
Ohne richtig viel Erregung passiert in der Regel nichts. Lass Dir also Zeit und steigere Deine Lust langsam, mit ausgiebigem Vorspiel, mit Berührungen, Fantasien, einem Toy oder allem zusammen. Gleichzeitig ist Entspannung das A und O. Bleib bei dem, was Du gerade spürst, atme tief in den Bauch und lass Deinen Körper einfach machen. Kurz vor dem Squirten melden viele Frauen einen kräftigen Druck auf der Blase. Das ist völlig normal. Genau jetzt kommt es darauf an, nicht festzuhalten, sondern loszulassen. Du kannst sogar sanft nach unten drücken, fast so, als würdest Du pinkeln. Das kostet am Anfang Überwindung. Aber je lockerer Du bleibst, desto eher kann es passieren.
Den G-Punkt finden und verwöhnen
Bei den meisten Frauen führt der Weg zum Squirten über den G-Punkt. Du findest ihn etwa 3 bis 5 cm tief an der vorderen Scheidenwand, also auf der Seite zum Bauch hin. Das Gewebe dort fühlt sich häufig etwas rauer oder geriffelt an. Schieb einen oder zwei Finger hinein und krümme sie, als würdest Du jemanden zu Dir heranwinken. Massiere die Stelle mit rhythmischem Druck oder pulsierend und werde schneller oder fester, wenn es sich gut anfühlt. Streichelt Ihr dabei noch die Klitoris, wird es oft noch intensiver. Nach und nach baut sich ein starkes Gefühl auf. Meldet sich der Drang, auf die Toilette zu müssen, bist Du meistens schon ganz nah dran.
Miteinander reden
Probiert Ihr es zu zweit, sag offen, was Du Dir wünschst. Dein Gegenüber ist vermutlich genauso unsicher und fragt sich, ob er oder sie alles richtig macht. Ehrliche Rückmeldungen helfen Euch beiden. Brauchst Du mehr Druck, mehr an der Klitoris oder mal eine Pause, dann sprich es aus. Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, ist das überhaupt kein Drama. Bleibt locker und habt vor allem Spaß miteinander.
Erst mal solo
Vielen Frauen gelingt es leichter, wenn sie erst einmal ohne Partner üben. Du kannst Dich dann voll auf Dich konzentrieren und musst auf niemanden Rücksicht nehmen. In der Dusche oder Badewanne fällt das Fallenlassen besonders leicht. Probier aus, was sich gut anfühlt, ob Finger, Dildo, äußere Stimulation oder ein gebogener G-Punkt-Vibrator. Spür hin, was in Deinem Körper passiert und wann sich der Moment ankündigt, in dem Flüssigkeit kommen will.
Abwechslung zulassen
Der G-Punkt ist zwar bei vielen der Auslöser, aber nicht bei allen. Manche Frauen squirten durch Stimulation der Klitoris oder sogar über anale Reize. Weil jeder Körper eigen ist, lohnt sich ein bisschen Neugier. Spiel mit Bewegung, Druck und Geschwindigkeit und probier unterschiedliche Stellungen. Die eine kommt in Rückenlage leichter ans Ziel, die andere in der Hocke oder auf allen vieren.
Kein Leistungsdruck
Das Allerwichtigste zum Schluss: Squirting ist kein Ziel, das Du erreichen musst. Für eine erfüllte Sexualität brauchst Du es nicht. Passiert es und fühlt sich toll an, wunderbar. Passiert es nicht, entgeht Dir trotzdem nichts. Unzählige Frauen haben großartigen Sex, ohne jemals gesquirtet zu haben. Konzentrier Dich auf Deine Lust und darauf, was Du spürst. Erwartungen darfst Du getrost über Bord werfen. Der Rest ergibt sich dann oft ganz von allein.
Woran es oft scheitert
Woran es oft scheitert, sind ein paar typische Fehler. Wenn Du sie kennst, kannst Du sie leicht umschiffen.
- Zu hohe Erwartungen: Wer sich fest vornimmt, heute auf jeden Fall zu squirten, verkrampft und blockiert damit genau den Reflex, um den es geht. Erzwingen lässt sich hier nichts. Je mehr Du Dich hingibst, desto besser stehen die Chancen. Konzentrier Dich auf das Vergnügen und nicht auf das Ergebnis.
- Angst, ins Bett zu machen: Viele Frauen brechen ausgerechnet in dem Moment ab, in dem sie loslassen müssten, weil sie fürchten, gleich das Bett nass zu machen. Dieses Zusammenkneifen verhindert das Squirten zuverlässig. Der Drang, Wasser lassen zu müssen, gehört dazu, also unterdrück ihn nicht. Geh vorher zur Toilette und leg eine Unterlage hin, dann kannst Du entspannt loslassen.
- Zu ungezielte oder zu kurze Stimulation: Planloses Rein und Raus bringt in den meisten Fällen nichts. Häufig wird der G-Punkt nicht gezielt genug massiert oder man gibt viel zu früh auf. Meist braucht es einige Minuten gleichmäßiger Stimulation, bis sich genug Flüssigkeit angesammelt hat und sich der Höhepunkt nähert. Bleib geduldig bei der Heranwink-Bewegung am G-Punkt und werde nicht hektisch, wenn sich nicht sofort etwas tut.
- Zu wenig Lust oder zu trocken: Aus dem Stand funktioniert Squirting selten. Bist Du noch nicht richtig erregt und feucht, wird auch nichts fließen. Manche Frauen brauchen zusätzliche Feuchtigkeit, weil die Massage am G-Punkt sonst unangenehm wird. Starte also nicht ohne ausgiebiges Vorspiel. Heiz Dich erst richtig an, mit Klitoris, der ganzen Vulva, einem Vibrator oder langen Küssen, und nimm bei Bedarf etwas Gleitgel, damit die Finger innen geschmeidig gleiten.
- Scham und Schweigen: Wer sich für den eigenen Körper schämt oder sich nicht traut zu sagen, was sich gut anfühlt, kann schwer entspannen. Heimlich und schweigend etwas erzwingen zu wollen, geht meistens schief. Redet offen miteinander und sprecht Eure Unsicherheiten aus. Übst Du allein, darfst Du ruhig nett mit Dir selbst reden. Ein innerlich geflüstertes „Lass einfach los, alles ist gut“ wirkt Wunder, auch wenn es zuerst albern klingt.
Spaß zählt mehr als Spritzen
Squirting ist faszinierend und zeigt, wie unterschiedlich der weibliche Körper auf Lust reagieren kann. Pflicht ist es trotzdem nicht. Du bist keine schlechtere Liebhaberin, wenn es bei Dir nicht spritzt, und auch keine Sexgöttin, nur weil es klappt. Für richtig guten Sex zählt Vertrauen, offenes Reden und die Fähigkeit, loszulassen, viel mehr als jede Technik. Lass also Druck und Erwartungen draußen. Manche Frauen squirten erst mit den Jahren, als sie entspannter mit ihrer Sexualität umgehen konnten. Bei anderen war es in jungen Jahren so und später nicht mehr. Normal ist beides.
Am Ende zählt der Spaß am Ausprobieren mehr als das Spritzen. Nimm Dir mit, was Dir guttut, und lass den Rest einfach liegen. Ob das Laken dabei nass wird, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass Du Deine Lust so auslebst, wie es sich für Dich richtig anfühlt.
Hat Dir der Artikel gefallen?
Neues aus der Lustwelt
Neue Artikel und Geschichten direkt in Dein Postfach.











